Zur Person

Die Fernsehautoren schreiben Ingolf Lück, seit er in der „Wochenshow“ in Schlips und Kragen den seriösen Anchorman parodiert, immer öfter in Maßanzüge – wie 2003 wieder in der PRO7-Serie „Das Büro“. Privat sieht man Ingolf jedoch meist leger. Mit Jeans und Turnschuhen ausgestattet kann er unerkannt einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: Menschen beobachten. So fährt er Straßenbahn und kann irgendwo an der Wurstbude stehen und Menschen beobachten. Wenn Zeit und Entfernung es erlauben, dann steigt Ingolf am liebsten auf sein Fahrrad und radelt zu seinen Drehterminen. Das mag er und diese Situationen bieten ihm auch immer wieder die größte Inspirationsquelle für neue Ideen.

Letztlich gibt es für den ganzen Lück keine Konfektionsgröße. Ingolf ist rastlos. Ständig hat er neue Ideen im Kopf, ständig sucht er das Gespräch und neue Projekte, ist wild nach Diskussion, bleibt neugierig. Keine Eigenschaften, deren natürlichen Lebensraum man in Maßanzügen vermutet. Eher in irgendeiner WG in den Achtzigern, wo wild und engagiert gelebt wurde, wo man mit Theater etwas bewegen wollte, wo Fernsehen machen was für steife Schlipsträger war und das Programm etwas für schlaffe Malocherfeierabende beim Bier.

Genau dieser Welt schleuderte Ingolf immer schon die Ausbeute seiner überbordenden Kreativität entgegen, erst im Schultheater dann auf der Rocktheaterbühne. In den Achtzigern parodierte er die „Alten“ wie Rudi Carrell und ließ sich inspirieren durch die „Neuen“, wie den damals anarchistisch neuen „Clownpower“-Vorreiter Jango Edwards. Und auch während er in München „Formel Eins“ drehte, wohnte er weiterhin in Bielefeld in seiner WG, machte Rock-Comedy mit dem „Totalen Theater“ und Straßentheater für Kinder.. Noch Jahre dauerte es, von den Achtzigern bis in die späten Neunziger, bis seine verrücktesten Ideen reif fürs Fernsehen waren. Bis nicht weiter die besten Sachen geschnitten und Sendereihen wie „Lücks Zeitlupe“ wegen ein paar frechen Pointen eingestellt wurden. Bis er geflügelte Worte prägte mit seinem lässig hingeworfenen „Danke, Anke“ oder mit der pointiert-naiven Frage „Komm ich jetzt im Fernsehen?“ Bis, wie es die „Brigitte“ schreibt, er es schaffte mit Nonsens, Sketchen und dummen Sprüchen, die schöne Anke Engelke, Bastian „Brisko“ Pastewka, Markus Maria Profitlich und die „Wochenshow“ zur erfolgreichsten deutschen Comedy-Sendung hoch zu blödeln.

Wenn man Ingolf mit Jeans und Anorak an der Wurstbude zwischen zwei Drehs zuhört, dann weiß man, warum er nach einem Einstiegserfolg mit „Formel Eins“ so viel und so hart gearbeitet hat: „Ich wusste noch aus meiner Kindheit“, sagt er ebenfalls der „Brigitte“, „nach einer Schlägerei darfst du nie auf dem Boden liegen, dann treten sie dir ins Gesicht. Wie oft habe ich irgendwo vorgespielt, und die Leute haben gesagt: Das ist aber nicht witzig. Da muss man sagen: Doch, das ist witzig, ich weiß das! Im Vergleich zu vielen anderen Kollegen und Freunden, die ein Stück Weg mit mir gegangen sind“, sagt er, „bin ich immer weitergegangen, wenn’s hart wurde.“

Und sieht alles danach aus, als würde der Ingolf rastlos bleiben: „Frauen“, sagt er zum Beispiel, „wollen immer klare Männer, die wissen, wo’s langgeht. Aber nach diesem klaren Menschen bin ich selbst noch auf der Suche.“ So wird wohl trotz Erfolgen, die so manchen dazu bewegen würden, sich aufs Altenteil zurückzuziehen, bei Ingolf Lück der Weg das Ziel bleiben. Wenn der indes mit so viel Spaß und Energie begangen wird, dann macht es offenbar auch Spaß ihn zu leben. Und dabei zuzuschauen sowieso.