Ernstere Komödie

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Theaterpur.net|August 2016|Von Michael Cramer| Foto: © Nicole Brühl
Eine eher ernstere Komödie mit blenden Schauspielern, ein erfrischender Kontrast zu den häufigen reinen Lustspielen.

Große Heiterkeit und spontaner Zwischenapplaus kam jedes mal auf, wenn sich Paul, ausgerechnet ein Rheumatologe, nur mit größter Mühe aus einem riesigen Multifunktionssitzkissen zu erheben versuchte – die älteren Herrschaften in der fast ausverkauften jüngsten Premiere im Kölner „Theater am Dom“ mögen dabei an ihre eigenen Rückenprobleme gedacht haben. Zu sehen gab es unsere Frauen, eine klassische französische Boulevardkomödie des gebürtigen Tunesiers Eric Assous, den es nach der Schulzeit in Richtung Frankreich zog und der dort zum sehr erfolgreichen Theater- und Drehbuchautor avancierte. (…)

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Ingolf ist ein echter Glücksfall

BildKöln|August 2016|Von Michael Bischoff
Köln. Er liebt seinen französischen Platten, saubere Fenster, akkurat gefaltete Sitzkissen, schöne Frauen – und rappt wie ein Profi!

Entertainer Ingolf Lück ist für das Theater am Dom ein echter GLÜCKSfall! Kurzfristig sprang er in der neuesten Komödie „Unsere Frauen“ als dritter Mann ein und wurde zur Premiere bejubelt.
An seiner Seite kämpfen die Kino- und TV-Stars Jochen Horst („Luther“) als Paul und Mathias Herrmann („Ein Fall für zwei“> als Simon um die Wahrheit.
Denn Simon hat vor dem Skatabend der drei seine Frau umgebracht und weiß nicht mehr weiter. Das Trio diskutiert, streitet, brüllt und stolpert durch die Sitzkissen.
Sollen sie ihm ein Alibi geben? Bei ausgerechnet dieser Frau, die sie auch gerne gehabt hätten? Es geht um Abgründe, Liebe, Sex, Einsamkeit und tote Sänger. Bis Ingolf und Jochen aus Jux und Frust einen heißen Live-Rap hinlegen. Applaus!
Fazit: Das Stück ist ein Knaller. Ein Glücksfall zum Saisonstart!

Ein Alibi für den Frisör

Kölnische Rundschau|27.08.2016|Von Axel Hill
Saisonauftakt: „Unsere Frauen“ im Theater am Dom
Nach dem echt fiesen Schlussgag müsste man sich das Stück „Unsere Frauen“ eigentlich noch mal ansehen. Hätte man das kommen sehen müssen, gab es Hinweise oder Warnsignale? Aber dafür müsste man sich noch einaml zwei Stunden ins Theater am Dom setzen, von denen grob geschätzt 45 Minuten eigentlich streichbar wären.
Denn der französische Autor Eric Assous kann sich nicht ganz entscheiden, ob hier nun eine Krimikomödie oder Boulevard mit Tiefgang über die Bühne gehen soll. Der Ansatz ist klasse: Max (Ingolf Lück), Paul (Jochen Horst) und Simon (Mathias Hermann) sind in Max’schniekem Loft zum Kartenspielen verabredet. Simon kommt 50 Minuten zu spät. Seine offene Erklärung: Ich habe gerade meine Frau erwürgt.
Was soll man nun machen? Den Freund der Polizei übergeben oder ihn mit einem Alibi versorgen – die tote Frau mochte man eh nie? Was ist richtig, was falsch, wer ist wem verpflichtet? Wie weit geht man für einen Freund?
Das hat Pep, gute Dialoge, Wortwitz und immer wieder gute Gags: „Meinst du er hat weniger Skrupel als wir?“ – „Er ist Frisör!“ Und das Darstellertrio harmoniert ganz wunderbar, Rap- und Breakdance-Einlagen inklusive.
Ob es an mangelnden mörderischen Ideen lag oder eine bewusste Entscheidung Assous‘ war: Vor allem in der zweiten Hälfte wird es zwischenzeitlich fast betulich.
Denn auch Max und Paul haben Problemen mit den Frauen: Pauls Gattin schläft fast die ganze Zeit, die Beziehung schlummert entsprechend vor sich hin. Und Max‘ zukünftige Ex lebt aus seiner Sicht nach dem Motto „Jeder Atemzug ein Vorwurf!“. Simon ist derweil dank seiner selbst zugeführten Mischung aus Beruhigungspillen und Wodka ausgeknockt.
Wie sie ihn aus seiner Bredouille bugsieren könnten, scheint die beiden nicht mehr zu interessieren.
Ein echter Lapsus ist der Regie unterlaufen: Max wird damit aufgezogen, nur noch tote Sänger zu hören – und zu Beginn läuft ein Lied des höchst lebendigen Charles Aznavour.

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