1986
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Jan

Nach „Formel Eins“ ( 1985 )  bleibt Ingolf zunächst beim Film, nimmt die Hauptrolle in der Krimikomödie „Peng – Du bist tot“ an, der am 16. April 1986 in die Kinos kommt. „Das Drehen hat unheimlich viel Spaß gemacht“, sagt Ingolf, „es ist beim Film einfach genau so, wie es immer in ‚BILD der Frau‘ steht: Geile Hotels, reichlich Kohle und wenig Arbeit.“ „Peng – Du bist tot“ war eine irre Action-Komödie in Zeiten, da niemand mit so einem Film aus Deutschland rechnete. Dieser Film läutete, ähnlich wie Westernhagens „Theo gegen den Rest der Welt“ eine Abnabelung von den Sentimentalitäten für die Zeit des Autorenfilms der siebziger Jahre ein. Das Drehbuch stammte aus Amerika, die deutschen Dialoge stammten von dem Autoren, der just mit dem Buch zu „Theo“ bahnbrechende Pionierarbeit für den neuen deutschen Unterhaltungsfilm geleistet hatte.

Während er mit „Peng! Du bist tot“ von „Formel Eins“ emanzipiert, etabliert sich Ingolf in der Medienszene: Alfred Biolek lädt ihn im Frühjahr in seine Show „Mensch Meier“ ein, und der WDR gibt ihm die erste eigene Show: in „Lücks Zeitlupe“ freut sich Ingolf darauf, das zu machen, was bei „Formel Eins“ oft herausgeschnitten wurde. Allerdings nehmen Ingolf als selbsternannter „Komponentenkleber des Weltgefüges“ und sein Assistent Dirk Bach die Deutschen so bös auf die Schippe, dass die Sendung nach nur sechs Folgen im Frühjahr 1988 eingestellt wird.

Auf der Suche nach einem passenden Format produziert Ingolf im folgenden Herbst mit dem Bayerischen Fernsehen sechs Folgen einer richtigen Familien-Spielshow: In „Boing“ erraten je zwei Familien, eine davon prominent, unter Publikumsbeteiligung persönliche Vorlieben. Ingolf ist seinem Ziel näher, das er 1988 so formulierte: „Wenn ich irgendwann mal ein richtig bekannter Showmaster wäre, hätte ich nichts dagegen.“

1990 sollte er wieder sehr bekannt werden – allerdings in einem Rateteam: der WDR schafft fünf Jahre nach „Formel Eins“ eine weitere Kultsendung: Bis 1993 sitzt Ingolf für den Kölner Sender für 72 Folgen im Team des erfolgreichen Ratequiz „Pssst…“ Mit den Mitstreitern Mariele Millowitsch, Elke Heidenreich und Herbert Feuerstein errät er die von Quizmaster Harald Schmidt vorgestellten Geheimnisse von Bürgern und Prominenten. Ingolf hat sich vom „Formel Eins“-Image emanzipiert, ist nun ein fester Bestandteil der deutschen TV-Szene.

 

Während er regelmäßig in seinem „Pssst…“-Wohnzimmer sitzt, dekliniert Ingolf als waschechter Workaholic das ganze Fernsehgeschäft durch – von Sketch- über Kandidatenshows bis zur Sitcom lässt er keine Spielart aus. 1991 macht er gleich zwei Shows im ZDF: im Reisequiz „Zehn oder gehen“ lässt er charmant Kandidaten an beliebten Urlaubszielen um Punkte kämpfen und in „Hut ab“ tut er, wovon er sechs Jahre zuvor im „Sprungbrett“ selbst profitierte: er präsentiert einfühlsam und engagiert junge Kleinkunst- und Varietétalente.

1992 sendet das ZDF vom 19. Juni 1992 an jeden Freitag um 22:30 Uhr „Ingolf Lücks Sketchsalat“. Ingolf kann als Mitstreiter einen Pulk junger Autoren sowie Schulfreunde und Theaterstars wie Rainer Hunold, Helmut Zierl und Wolfgang Völz gewinnen. Er selbst spielt in den sechs Folgen der Reihe über 50 verschiedene Rollen.

 

Im Herbst ’92 unterzeichnet Ingolf einen Vertrag beim Privatsender RTL, beginnt dort mit den Aufzeichnungen der Karaoke-Show „Wer kann der kann“ und sitzt schon im Herbst ’92 in der Jury von Götz Alsmanns „Gong Show“ – der deutschen TV-Premiere einer brutaleren Art des Talentwettbewerbs: Wer nicht gefällt, dessen Nummer wird per Gongschlag abgebrochen. Immer öfter ist Ingolf auch bei Kollegen zu Gast: im Sommer 1992 in „Otto – Der Liebesfilm“ sowie in Harald Juhnkes ARD-Show „Juhnke & Co.“

Während ab dem Januar ’93 „Wer kann der kann“ startet, macht Ingolf eine TV-Stippvisite als Reminiszenz an seine Kindertheater-Arbeit: am 8. Januar tritt er in einer Sondersendung des NDR zum 20. Geburtstag der deutschen Sesamstraße auf. Zur selben Zeit schafft „Pssst…“, was „Formel Eins“ nicht geschafft hatte: den Sprung in die ARD.

Nach dem Ende von „Pssst…“ kommen dann die Sitcoms und Serien – er spielt in der Krimireihe „Einsatz für Lohbeck“ (ARD), in der Serie „Wildbach“ (ARD) neben Siegfried Rauch, neben Hannelore Hoger in der Krimireihe „Die Drei“ (SAT.1) und in der ZDF-Familienserie „Inseln unter dem Wind“ neben Stars wie Jan Fedder, Matthieu Carrière und Wolfgang Fierek. Als Sitcom-Darsteller profiliert er sich in „Bistro, Bistro“ (ZDF) und „Kebap und Sauerkraut“ (Pro Sieben).

Auch für Shows hat er wieder Zeit: nach neun Moderationen der Varieté-Sendung „Traumtänzer“ (HR 1995-97) und 52 Folgen der Wissensshow „Nobody is perfect“ (ARD) folgt die Aufgabe, mit einer großen Abendshow gegen Linda de Mols „Traumhochzeit“ anzutreten, die teilweise zeitgleich auf RTL läuft: ab August 1995 heißt es bei SAT.1 erfolgreich: „Pack die Zahnbürste ein!“ Wenigen Zuschauerkandidaten winkt eine Flugreise, die direkt im Anschluss an die Sendung angetreten wird. Ingolf zum SPIEGEL: „Ich schaffte es mit der Sendung auf die Titelseite der „Times“-Wochenendbeilage. Außerdem durfte ich um die Welt jetten und bekam noch Geld dafür. Das war schon Klasse für den kleinen Ingo aus Bielefeld!“ Stimmt wohl, aber die ganz große Herausforderung für den „kleinen Ingo“ sollte 1996 beginnen…

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