Im April 1996 beginnt ein weiterer Meilenstein in Ingolfs Karriere: SAT.1 setzt, nachdem gerade Harald Schmidt sehr erfolgreich mit seiner täglichen Show gestartet ist, verstärkt auf Comedy. Der Sender verpflichtet Ingolf als Anchorman für die neue Comedyreihe „Die Wochenshow“, einer Weiterentwicklung von Rudi Carrells erfolgreichem Achtzigerjahreformat „Rudis Tagesshow“. Ingolf ist das prominente Gesicht an der Spitze eines hochtalentierten aber dem großen Publikum nicht so vertrauten Ensembles. Anke Engelke hatte ihre Fans damals vor allem bei den Hörern des Südwestfunks, wo sie als Moderatorin arbeitete. Marco Rima, einen Schweizer Superstar kannte in Deutschland bestenfalls das Musicalpublikum aus „Keep Cool“, und Karen Friesicke hatte man vorher nur sporadisch im Fernsehen gesehen – etwa in einigen TATORT-Krimis oder mit Harald Juhnke in „Harald und Eddi“.

Zunächst gibt SAT.1 nur wenige Folgen „Wochenshow“ in Auftrag und der Sendeplatz wechselt häufig. Produziert wird zunächst in einem alten Fabrikkomplex im Kölner Industriegebiet Ossendorf. Die alte Montagehalle, in der das Studio aufgebaut wird hat ihre Tücken: das Dach ist undicht, und wenn es regnet muss schon mal abgebrochen werden, weil es Ingolf aufs Moderationspult regnet. Der Enthusiasmus des Ensembles ist nichtsdestotrotz immens und Produzent Ralf Günther hat schon früh große Pläne mit dem Format. Günther war einst wie Ingolf durch Auftritte mit seinem Comedy-Ensemble „Die Niegelungen“ über das Theater „Sprungbrett“ zum Fernsehen gekommen. Er und das Ensemble sind fest entschlossen, die Sendung und ihre Protagonisten nach dem Vorbild der legendären US-Comedyreihe „Saturday Night Live“ langsam zu etwas großem, etwas Kultigen wachsen zu lassen.

Die Rechnung geht auf. Immer wieder wird der Vertrag verlängert, bald schon laufen die Staffelverträge über 12, nicht mehr über sechs Folgen, später werden Jahresverträge folgen. Karen Friesicke geht, Christiane Brammer kommt und geht wieder, worauf schließlich Bastian Pastewka kommt, und der ist so gut, dass er bleibt – zunächst sollte er lediglich Anke Engelke während der Babypause ersetzen. Gedreht wird immer noch im Köln-Ossendorfer Industriegebiet, mittlerweile in einem richtigen Studiokomplex in der Richard-Byrd-Straße.

Am 12. Januar 1997 ist die Popularität von Moderatorenpaar Ingolf Lück und Anke Engelke schon so groß, dass die ARD die beiden zu einem Cameo-Auftritt in der Kultkrimireihe TATORT verpflichtet. Ingolf ist außerdem zu Gast in Reinhold Beckmanns SAT.1-Talkshow „No Sports“ und er spielt eine Rolle in dem ZDF-Drogendrama „Der Pirat“ mit Jochen Vogel.

Bald wird die Sendezeit der „Wochenshow“ von 25 Minuten auf eine volle Stunde verlängert. Außerdem wird ab sofort vor Livepublikum aufgezeichnet. Damit nicht genug: indem Harald Schmidt eigene Studios irgendwo im Kölner Industriegebiet, bezieht wird ein neuer Produktionsort für die Wochenshow frei: Ingolf und sein Ensemble ziehen ins „CAPITOL“-Theater, mitten in der Kölner City. Der damalige SAT.1-Chef Fred Kogel reist in die Kölner „Wochenshow“-Studios um auf einem Fest zur 100. Sendung zu sagen: „Was ihr macht ist großartig. Wenn ihr zusammen bleibt, wenn wir zusammen bleiben, dann wird das immer so weiter gehen.“ Was folgt ist ein kleines Stück erfolgreicher Fernsehgeschichte. Erst wird die Quote, dann die Sendung des härtesten Konkurrenten „RTL Samstag Nacht“ eingestellt. Mit über fünf Millionen Zuschauern zieht die „Wochenshow“ gleich mit „RTL Sieben Tage, sieben Köpfe“.

Den inzwischen längst erreichten Kultstatus der „Wochenshow“ bestätigen die geflügelten Worte, die sie prägte. Ingolf ist gleich für die zwei verbreitetsten verantwortlich: sein ostentatives „Danke Anke!“ am Ende des „Nachrichtenblocks“ grölt zunächst das Studiopublikum mit, schließlich fließt es in die bundesrepublikanische Alltagssprache ein, und fällt, wenn Frauen etwas bravourös erledigen. Last but not least war Ingolfs „Danke Anke“ natürlich namensgebend für Anke Engelkes jährliche Weihnachtsshow. Und dann füllte Ingolf ja auch noch die Kultfigur „Herbert Görgens“, einen leicht debilen Frührentner, mit Leben und beendete jeden Sketch mit einem weiteren Spruch, der Kultstatus erreichte: „Komm‘ ich getz‘ im Fernsehen?“ Auf dem Höhepunkt einer regelrechten Herbert-Görgens-Mania droht ein Mitbürger, der wirklich Herbert Görgens heißt 1998 sogar, Ingolf zu verklagen, weil er aufgrund der Herbert-Görgens-Sketche im Beruf und Alltag gemobbt werde.

Im Dezember 1998 ist das ganze Wochenshow-Team stolz: Ingolf moderiert einen Klassiker des Deutschen Farbfernsehens: „Stars in der Manege“ in der ARD. Ingolf reiht sich in die Reihe prominenter ARD-Zirkusdirektoren ein, zu denen Stars wie Ottfried Fischer zählen.

1999, auf dem Höhepunkt des Wochenshow-Booms gehen Ingolf Lück und seine Mitstreiter sogar mit einer eigens geschriebenen Bühnenshow auf eine ausverkaufte Tour durch Deutschlands Hallen. Das Ensemble der Wochenshow wird mit Fernsehpreisen nur so überhäuft. Ingolf Lück, der immer noch mit dem Fahrrad zu den Dreharbeiten der Wochenshow im Kölner Capitol fährt, ist so populär, dass er mit der Ulk-Rateshow „Voll witzig“ in SAT.1 eine zweite Show bekommt, die er über 46 Folgen erfolgreich moderieren wird. Im Kino ist Ingolf ab 26. August 1999 in Deutschland und Argentinien beim „Mar del Plata“-Filmfestival in der Actionkomödie „Bang Boom Bang“ neben Stars wie Ralf Richter, Diether Krebs und „Das Boot“-Star Martin Semmelrogge zu sehen.

Nach der Jahrtausendwende werden alle Comedians schließlich so populär, dass die Wochenshow zu klein wird für ihre Protagonisten. Bastian Pastewka, Anke Engelke und hinzugekommener Markus Maria Profitlich verlassen die Show, um eigene Comedy-Formate zu produzieren. Einem neuen Ensemble ist der Wochenshow-Schuh trotz der Unterstützung von Ingolf, der in die personelle Erneuerung all seine Energie steckte, letztlich zu groß – schließlich wird die Sendung eingestellt.

Nach der Wochenshow ist nichts mehr wie es war. Alle Beteiligten begegnen sich bis heute oft auf den verstrickten Wegen der Medienlandschaft. Die meisten derer, die vom Requisiteur bis zum Star an der Sendung gearbeitet haben, sind bis heute befreundet und kommt es in diesen Tagen zu professionellen Begegnungen beim damaligen Produzenten Brainpool, dann hat das immer mehr etwas von einem Klassentreffen, denn von einer Produktionsbesprechung.

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