Theaterpremiere

Der nette TV-Star von nebenan

Von Oliver De Weert

Er ist der nette Fernsehstar von nebenan: sportlich, Jeans, Porsche (älteres Modell). Ingolf Lück, Moderator, Schauspieler, Comedian – und derzeit ziemlich nervös vor der Premiere seines Theaterstücks. Traumfrau Mutter heißt die Produktion an der Treptower Arena. Sechs Frauen durfte der Regiedebütant dafür sechs Proben-Wochen lang über die Bühne scheuchen. Seit dem dritten Tag in Berlin vermisst er allerdings eine andere „ganz schrecklich“: Lily Chi heißt sie, ist gerade drei geworden und lebt mit Lücks Freundin Stefanie im heimischen Köln. Die lange Zeit der Trennung hat er unterschätzt: „Wenn man ein Kind bekommt, ist nichts mehr wie vorher“, sagt er und ist damit wieder mittendrin im Thema der Arena-Inszenierung.

Sechs Frauen, sechs Mütter, sechsmal die gleichen kleinen Alltagskatastrophen, Verzweiflungen, Erleichterungen. Eben alles, was das Mutter-Sein ausmacht. Oder auch ein Vaterdasein – siehe Ingolf Lück. Er fand das Werk eines kanadischen Autorinnen-Kollektivs „so klasse, dass ich mich geärgert habe, keine der Rollen selbst übernehmen zu können“. Blieb die Regie und das Feilen an einer stark berlinisierten und mit Musik angereicherten Fassung des zehn Jahre alten Erfolgsstoffes – Originaltitel: „Mom’s the word“.

Lück ist kein Anfänger am Theater, er ist dahin zurückgekehrt. In Bielefeld war er Ende der siebziger Jahre Mitbegründer einer freien Gruppe, später spielte er in Bonn, Düsseldorf und Hamburg. Außerdem ging Lück mit seinem Kabarettisten-Kollegen Hans Werner Olm auf Tournee. Eine Erfahrung, an die er sich mit großem Vergnügen erinnert. Irgendwann gewann das Fernsehen die Überhand, zuletzt der Vollzeit Job der SAT.1-Wochenshow – 250 Sendungen lang Humor vom Fließband – dafür mit Feierabend bei der Familie. Esther Schweins‘ „Caveman“-Inszenierung, mit der er in Köln I auftritt, beendete im Herbst seine jahrelange Bühnen-Abstinenz. Sein Anreiz: „Im Fernsehen sind keine großen Gesten möglich. Theater zeigt immer das Ganze“, holt Lück aus, als könne er die Enge des Bildschirm-Ausschnitts noch körperlich spüren. Tatsächlich verordnete er sich nach dem Aus der Wochenshow und zwei geflopten Formaten im Vorjahr zunächst eine TV-Zwangspause. Im Herbst soll sie vorbei sein.

Vom komischen Fach kommt der Berufs-Witzbold auch auf dem Regiesessel nicht los. Zwar böte die Mütter-Nummer Stoff für ernsthafte Betrachtungen, die drohende Tragödie wird jedoch stets rechtzeitig mit einem Lacher abgewendet. Soziale Probleme? Fehlanzeige. „Wir machen hier Comedy.“ Im Fall der sechs „Traumfrauen“ Deborah, Barbara, Alison, Linda, Robin und Jill – allesamt besetzt mit Theater- und Fernsehdarstellerinnen, die selbst Mütter sind – kreisen die lust- und leidvollen Dialoge um vollgespuckte Abendgarderobe, unausgeschlafene Sonntage, und einen eklatanten Mangel an Sex. Erfahrungen, bei denen Co-Erzieher Lück offenbar mitreden und -fühlen kann.

Auf der Arena-Bühne spielen Väter allenfalls indirekt eine Rolle. Es wird nur über sie geredet – und das meist nicht eben vorteilhaft. Die Männer haben sich entweder „bei der Geburt verpisst“ oder sind fern der häuslichen Dramen bei der Arbeit. Das Stück sei kein Plädoyer für die allein erziehende Frau, eher, so Lück, eine humorvolle „Bibel der Mutterschaft. Es befreit beim Zuschauen.“ Lück jedenfalls fühlt sich so inspiriert, dass er darüber nachdenkt, selbst ein Stück zu schreiben – Titel: „Traum-Mann Vater“.

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