Badische Zeitung vom 04.10.2011 | Von Florian Kech |

Wutach-Ewattingen. Ingolf Lück begeistert mit einem hyperaktiven Auftritt. Mehr als 600 Kilometer trennen Ingolf Lücks Heimat Bielefeld von Ewattingen, und dennoch hatte der Comedystar am Samstagabend in der 800-Seelengemeinde ein Heimspiel. Sein bloßes Erscheinen auf der Bühne riss das Publikum zu Jubelstürmen hin. Der Funke war übergesprungen, noch ehe der Akteur überhaupt etwas sagen konnte. Zuweilen herrschte schier Stadionatmosphäre in der gefüllten Wutachhalle, von der sich Lück ganz offenkundig mit Vergnügen anstecken ließ. Mit ein wenig Glück konnte man dem Kultstar schon am Nachmittag beim Spaziergang durch Ewattingen begegnen.
Besonders beeindruckt hätten ihn das „Wutec-Center“ und die dortigen Parkuhren an einer Wiese, feixte er auf der Bühne. Und auch Stefan Kech, der im Namen des örtlichen Sportvereins eingangs die Gäste begrüßt hatte und dabei gewohnt bescheiden vom „Kulturparadies Ewattingen“ sprach, bekam sein Fett weg und von Lück eine physiognomische Ähnlichkeit mit Lothar Matthäus bescheinigt. Wehe, wenn er losgelassen, dann ist Lück nicht mehr zu stoppen. In seinem Soloprogramm „Lück im Glück“, karikiert er den Alltagwahnsinn des Vaterdaseins mit legendärer Lückscher Überdrehtheit. Seinem von der Nase dominierten Gesicht verlangt er dabei geradezu groteske Grimassen ab, beispielsweise als er den schwerwiegendsten Satz einer jeden Beziehung erwähnt: „Ingolf, wir müssen reden“, und es ihm dabei sämtliche Eingeweide zusammenzuziehen scheint. Lück teilt aus gegen das Wellness-Regime, den Yoga-Fimmel seiner Frau.
Seine Bühnenshow ist konsequentes Anti-Yoga, nie zur Ruhe kommend, den Zuhörern keine Verschnaufpause gönnend und die übernächste Pointe bereits zündend, während die vorletzte soeben erst hoch ging. Was Lück in den zweieinhalb Stunden auf der Bühne bietet, ist Comedy auf Speed, Hochleistungssport von einem, dessen dreißigster Geburtstag wohlgemerkt auch schon 23 Jahre zurück liegt. Als leidgeprüfter Vater zweier Kinder erzählt Lück von Elternabenden, wo sich in der Vorstellungsrunde auf Geheiß der Pädagogin erwachsene Menschen einen Wollknäuel zuschmeißen. Virtuos mimt er den Getriebenen der „Operation Wunderkind“ und seufzt über die „Alete-Elite“, die möglichst schon auf der Nabelschnur Vivaldi übe.
Ingolf Lücks Humor bewegt sich meilenweit über den intellektuellen Niederungen der Mario-Barth-Fraktion – und zwar durchgängig. Über weite Strecken lieferte er in der Wutachhalle in Ewattingen schlichtweg Comedy at its best und man kann sich angesichts dieses grandiosen Bühnentalents nur fragen, warum seine Neuauflage der Wochenshow auf dem Privatsender SAT1 momentan nicht so richtig aus dem Quark kommt. Drauf hat er`s allemal, und wer in der Wutachhalle zugegen war, hat leicht den Eindruck gewinnen können, einen Künstler in der Hochblüte seines Schaffens, vielleicht sogar den besten Lück aller Zeiten, erlebt zu haben. Zur Badischen Zeitung

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