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Mrz

Bonner Rundschau, 24.03.2007

In One Way poltert Ingolf Lück als „wilder Frank“ über die Bühne im Pantheon

Von Christoph Pierschke

„Was als Einbahnstrasse in die Männlichkeit begann, endet in einem großartig verwirrenden Finale, und als siegreicher Clown verlässt Lück die Bühne.“

BONN. Frank hat es schwer. Zwar ist der Möchtegern-Yuppie seit sechzehn Jahre erfolgreicher Vertreter für Dichtungsringe in Entsaftermaschinen und kennt die Flughäfen der Welt wie seine Westentasche. Das aber kann doch nicht alles gewesen sein. Also flugs mit der Freundin und dem Chef überworfen, eine Flasche Grappa geleert und ab ins wilde Leben.

Nachdem Ingolf Lück jahrelang erfolgreich mit dem Ein-Mann-Stück „Caveman“ getourt ist, hat er sich nun von Thomas Lienenlüke mit „One Way“ ein thematisch ähnliches Stück auf den Leib schreiben lassen. Ein Mann, ein Mülleimer, eine Parkbank – das reicht bei der Deutschland-Premiere im Pantheon, um den Höhlenmann konsequent weiter und schließlich ad absurdum zu führen.

Ein trunkenes Ballett in die Freiheit tanzt Lück auf der Bühne. „Das haben Männer mit 40 oft“, räsoniert der selbstmitleidige Frank. Morgens gucken sie in den Spiegel und beschließen: „Morgen werde ich Clown.“ Als „wilder Frank“, der morgens im Park zum Handygezwitscher erwacht, poltert Lück über die Bühne. Er träumt davon als „staatlich verbeamteter Stadthippie“ herumzulungern, ohne aber auf seine drei Handys zu verzichten. Ständig reißt er Witze über Frauen („eine Frauenpokerrunde ist schwer vorstellbar“) und männliche Softies. Triebgesteuert geifert er hinter den Gitterstäben der Parkbank und verherrlicht das Liebesleben der Bonobos.

Die große Pointe aber schlägt ein wie der Blitz aus heiterem Himmel. Völlig verdattert steht Lück als sein Alter Ego auf der Bühne: „Wer ist Frank?“ Das männliche Getöse von Freiheit und Ungebundenheit löst sich in Luft auf, und das Erfrischende an der Obdachlosigkeit wird schal. Den Text aus der Mülltonne kramend persifliert Lück den eigenen Größenwahn, dem kein Berg hoch genug ist. Alles ist nur Rolle – ob Männlein oder Weiblein. Was als Einbahnstraße in die Männlichkeit begann, endet in einem großartig verwirrenden Finale, und als siegreicher Clown verlässt Lück die Bühne.

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