Der Standard, 22.11.2003

Ein Chef, der nichts kann und nichts weiß: ein Archetypus, behauptet Komiker Ingolf Lück im Gespräch mit Doris Priesching. Ab Montag 21.15 Uhr stellt er ihn in Das Büro in Serie dar und rät zur Ansicht zwecks Wiedererkennung.

STANDARD: Einer der zentralen Orte eines Fernsehbüros ist immer wieder das Klo. Wie kommt das?

Lück: Die Leute müssen ja aufs Klo gehen und nichts ist unangenehmer, als wenn man am Örtchen den Chef trifft. Sagt man „guten Tag“ und gibt ihm die Hand? Oder ist man unhöflich und gibt ihm nicht die Hand? Das ist ein Ort, den wir auch bespielen, aber nicht der zentrale Ort, weil die Serie ja nicht Das Klo heißt, sondern Das Büro.

STANDARD: Gemeinhin wird der Büroalltag doch eher als langweilig empfunden.

Lück: Im Büro stellen sich die wichtigsten Fragen der menschlichen Existenz: Liebe, Kampf, Eifersucht und Sex in der Teeküche. Die Charaktere sind archetypisch: der junge Schleimer, der Womanizer, die eiskalte Marketing-Chefin, die Betriebsnudel, der Prada-Vamp, das überforderte Vorzimmer-Mäuschen und der IT-Fachidiot. Und über all dem thront der Chef – der „Visionär“, der Global Player.

STANDARD: Haben Sie sich Einblicke verschafft, wie es in Wirklichkeit in Büros abläuft?

Lück: Meine Eltern waren Kaufleute, ich habe als Schüler in einem Schulbuchverlag gearbeitet. Die Arbeit in einer modernen Film- und Fernsehproduktion wie ProSieben-SAT.1 ist natürlich Büro pur.

STANDARD: Ähnlichkeiten mit der in den 80er Jahren erfolgreichen Serie Büro, Büro von Rainhard Schwabenitzky halten sich allerdings in Grenzen.

Lück: Ich habe Büro, Büro geliebt. Was aber letztlich zwischen den Menschen passiert, hat sich bis heute nicht verändert. Heute kommt allerdings noch der Kampf mit der Technik dazu.

STANDARD: Drehen sich Comedys lustiger als andere Genres?

Lück: Wir haben in diesem heißen Sommer in einem Bürohaus ohne Klimaanlage gedreht. Das war ziemlich hart. Comedy ist auch so anstrengender, weil wir uns immer etwas über der Realität bewegen. Wenn ich in einem Tatort eine Bank überfallen muss, gehe ich in die Bank, überfalle sie und geh‘ wieder raus. Bei einer Comedy-Serie kommt man raus, muss fünf Autos ausweichen, mit dem Schmuck jonglieren und dann noch möglichst präzise gegen den Laternenpfahl krachen.

STANDARD: Was sagen Sie zu den neuen TV-Formaten: Castingshow, Containerfernsehen, Dokusoap oder Realitydoku?

Lück: Ich mag Sendungen wie Frauentausch (RTL 2-Variante von Tausche Familie, Anm.). Bei den Castingshows ist das eine Welle, die nicht auf jedem Sender gleich gut funktioniert.

 

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