Bielefelder StadtBlatt 16/88

Von Andreas Bekemeier-Loddeke

Voll im „Russen-Trend“ liegen Ingolf Lück und Hans-Werner Olm mit ihrem aktuellen Kabarettprogramm Gorbatschow muss sterben, das sie am Sonntag in der Alten Weberei zeigen werden. Ingolf Lück, bekannt aus Funk, Film und TV, ließ sich dazu ausfragen.

StadtBlatt: Als was würdest Du Dich eigentlich selbst bezeichnen? Moderator, Schauspieler, Kabarettist oder, sonst was anderes?

Ingolf Lück: Das witzige an dieser Frage ist, dass sie einem immer wieder in Deutschland gestellt wird. Man braucht nur den Fuß nach Holland rüberzusetzen oder auch nach England, da gibt es mit solchen Fragen kein Problem. Man würde Hermann van Veen oder einen englischen Komiker nie danach fragen, als was sie sich bezeichnen würden. Dort ist es möglich, vieles zu machen. Ich habe viele Dinge gemacht, die immer mit Bühne , oder Auftreten zu tun haben: Kabarett, Unterhaltungsfernsehen, ernsthaftes Theater, z.B. in Düsseldorf das „Totenfloß“… Ich habe Kinderzirkus gespielt, eine Diskothek in Osnabrück eingeweiht, Rockmusik und Rocktheater gemacht und vieles mehr.

StadtBlatt: Fragen wir mal andersherum. Was machst Du denn am liebsten?

Ingolf Lück: Mir geht es nicht darum, wie Dinge gebracht werden, sondern um das Thema. Bei den Projekten, die ich mache, muss ich immer das Gefühl haben, dass es was Neues ist. Diesen Anspruch habe ich an meinen Beruf. Deshalb habe ich diesen Beruf, damit ich mich nicht immer selbst reproduzieren muss, sondern immer was anderes machen kann.

StadtBlatt: Du bist jetzt mit „Gorbatschow muss sterben“, einem Kabarettprogramm auf Tour. Du trittst zusammen mit dem Berliner Hans-Werner Olm auf. Was haben wir uns darunter vorzustellen? Was erwartet die Zuschauer?

Ingolf Lück: Das Programm ist der Versuch, in eine relativ verkrustete Geschichte wie das deutsche Kabarett einzusteigen, um sie positiv zu befruchten, zu beleben. Es ist eine Mischung aus Kabarett und Theater, die die Fiktion von Gorbatschows Tod beinhaltet. Er stirbt in diesem Stück und darauf aufbauend wird gezeigt, wie damit umgegangen wird: Wie verhalten sich dazu politische Parteien kurz vor dem Wahlkampf, wie die Showbranche, z.B. Biolek lädt Rambo ein, der natürlich keinen Film „Der Kreml Killer“ gedreht hat. Ich will zeigen, wie sich alle auf das Thema stürzen und wie die Verarbeitungsmechanismen ablaufen. Gorbatschow könnte auch gegen Tschernobyl ausgetauscht werden, weil ich glaube, dass die gleichen Mechanismen greifen, sich wiederholen würden.

StadtBlatt: Wie stehst Du persönlich zu Gorbatschow?

Ingolf Lück: Ich möchte jetzt keine politischen Grundaussagen machen. Die sind in dem Stück. Wenn anschließend noch diese Frage auftaucht, kann man sie mir gerne stellen.

StadtBlatt: Du identifizierst Dich also mit den Aussagen des Stückes?

Ingolf Lück: Was ist das für eine Frage?

StadtBlatt: Ich könnte mir vorstellen, dass Du etwas spielst, was zwar publikumswirksam ist, aber nicht unbedingt Deiner Meinung entspricht.

Ingolf Lück: Ich habe an dem Stück mitgeschrieben. Das ist direkt für mich konzipiert worden. Ich habe gesagt, dass ich dieses und jenes haben möchte und die Autoren Diether Dehm und Erich Virch waren Gott sei Dank so gut, dass sie das umsetzen konnten. Ich habe bisher bei meinen Theaterprojekten immer das Glück gehabt, das zu machen, was ich wollte. Anfangs mit weniger Geld, dann mit viel Geld. Ich will ein möglichst großes Publikum erreichen, was auch funktioniert. Nicht nur die Jüngsten oder nur die älteren Intellektuellen, die eh schon wissen, was läuft, sondern alle. Die will ich zusammen überraschen.

StadtBlatt: Warum bist Du bei „Formel Eins“ ausgestiegen?

Ingolf Lück: Es ist ja mittlerweile schon zwei Jahre her. Ich habe vierzig Sendungen gemacht, die sehr gut waren. Ich dachte damals, wenn du nochmals vierzig Produktionen machst, dann merken die Leute, dass du auch nur mit Wasser kochst.

StadtBlatt: Siehst Du Dir die „Formel Eins“ noch an?

Ingolf Lück: Nein. Ich bin zwar nächste Woche wieder dabei, weil am 7.April einen ganzen Abend lang die 200.Sendung ausgestrahlt wird. „Formel Eins“ hat für mich in letzter Zeit ihr Gesicht verloren, weil auch das Konzept geändert wurde.

StadtBlatt: Es kursiert das Gerücht, dass Du eine neue Fernsehshow machen würdest.

Ingolf Lück: Ich habe schon sechs Folgen von „Lücks Zeitlupe“ für den WDR gemacht, die allerdings nur im dritten Programm gelaufen sind. Ich überlege momentan, wie ich weiter machen will und mit welchen Ideen. Es war eine Satire- und Comedyshow, die jede Woche den Zeitgeist unter die Lupe nahm.

StadtBlatt: Leider konnten Dich da wohl nur sehr wenige Zuschauer sehen?

Ingolf Lück: Um einen guten Platz im Ersten Programm zu bekommen, musst du ein bestimmtes Alter haben, damit sie dich aufs Erste loslassen.

StadtBlatt: Stehst Du denn in Verhandlungen fürs Erste?

Ingolf Lück: Mit dieser Sache nicht. Ich muss da ja nicht rein. Aber wenn ich es schaffen würde, könnte ich natürlich mehr Leute erreichen .

StadtBlatt: Viel Erfolg und vielen Dank für das Gespräch.

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