Zeitung Westfalen-Blatt vom 23.09.2011

Ingolf Lück im Interview – Comedian-Star freut sich auf den Auftritt bei der 1. Comedy Art in Spenge

SPENGE – Ein Comedian darf alles, nur nicht über seine eigenen Gags lachen. Das hat Ingolf Lück , Moderator der SAT1-TV-»Wochenshow«, im Interview mit den SPENGER NACHRICHTEN erklärt. SN-Redakteur Gerhard Hülsegge sprach mit dem 53-Jährigen vor seinem Auftritt bei der 1. Comedy Art am Freitag, 14. Oktober, im Oktoberfestzelt in Spenges Industriezentrum, wo der gebürtige Bielefelder Ausschnitte aus seinem Solo-Programm »Lück im Glück« präsentieren wird. Lück ist zurück. Was für ein Glück.
Nervt Sie die Wortspielerei inzwischen?
Ingolf Lück: Nein, ich finde sie gut. Ich war in Herford, in Bad Salzuflen mit meinem Stück »Die 39 Stufen«. Aber Bielefeld ist das härteste Pflaster unserer Republik. Wenn du es in Bielefeld schaffst, dann schaffst du es überall. Wenn du den Ostwestfalen zum Lachen bringst, dann schaffst du es auch in Diepholz, Bremen und in Husum. Daher freue ich mich, zurück zu sein.
Was verbinden Sie mit der Stadt Spenge?
Ingolf Lück: Mit Spenge verbinde ich in erster Linie schreckliche Handballergebnisse. Früher, als ich noch beim TuS Eintracht Hansa gespielt habe, und wenn wir nach Spenge oder Lenzinghausen mussten, ging es hart zur Sache und wir wurden immer ziemlich hart abgezogen. Meine Frau, die ja aus Peckeloh (bei Versmold im Kreis Gütersloh, Anm. d. Red.) stammt, sagt: Freu‘ dich auf Spenge, die Spenger sind wirklich nett.
Was versprechen Sie sich von der ersten Comedy Art?
Ingolf Lück: Ich verspreche mir davon, dass ich den Leuten Ausschnitte aus meinem Programm »Lück im Glück« zeigen kann und mit den Zuschauern zusammen eine Menge Spaß habe. Ich war gerade in Süddeutschland, in Frankfurt. Die lokalen Unterschiede sind gegeben. Hamburger lachen an anderen Stellen als die Stuttgarter oder Berliner. Herauszukriegen, wo die Spenger lachen, darauf freue ich mich.
Erklären Sie uns den Unterschied zwischen Comedy und Kabarett.
Ingolf Lück: Der Comedian macht es wegen des Geldes. Der Kabarettist macht es wegen des Geldes. Ich bin ein Mittler zwischen den Welten. In meiner Bielefelder Zeit habe ich ja ernsthaftes, freies Theater betrieben. Als ich später auch in Spenge unterwegs war, habe ich Rocktheater gemacht. Dann war ich normaler Schauspieler am Schauspielhaus in Düsseldorf, Bonn und Hamburg. Dann habe ich die »Wochenshow« auf der einen Seite gemacht, auf der anderen Seite trete ich mit meinem Programm in Kabarettsendungen wie dem »Scheibenwischer«, bei Stratmann oder den »Mitternachtsspitzen« auf. Es ist, glaube ich, alles auch in bisschen mehr zusammengerückt und man kann auch Unterhaltung jenseits von Plattitüden machen.
Mit der »Wochenshow« sind auch Sie wieder Dauergast im Fernsehen. Vermissen Sie Anke Engelke oder Bastian Pastewka?
Ingolf Lück: Ja, aber eigentlich auch nicht. Ich muss ja nur anrufen und sagen: Kommt, lasst uns heute Abend grillen. Und schon sind sie da.
Verraten Sie uns etwas aus ihrem Soloprogramm?
Ingolf Lück: »Lück im Glück« ist brandheiß und aktuell. Da geht es um Lück, den Mann, den Vater und darum, was es heißt, irgendwann die 50 überschritten zu haben. Es geht auch viel um die alten Kumpels, mit denen man nicht mehr um die Häuser ziehen, aber dafür 22 Milupa-Sorten am Geschmack unterscheiden kann. »Lück im Glück« ist eine Selbsthilfegruppe für gestresste Eltern und solche, die es werden wollen. Es ist das totale Chaos, der totale Wahnsinn.
Als Schirmherr der Stiftung »Augenblicke« setzen Sie sich privat auch für soziale Projekte in der Herforder Region, speziell in Spenges Nachbarstadt Enger, ein. Was bedeutet Ihnen dieses Engagement für Eltern und Kinder, die an Spina bifida, einem offenen Rücken, leiden?
Ingolf Lück: Das bedeutet mir viel Freude. Ich unterstütze deshalb auch das Kinderhospiz in Bethel, helfe in Namibia und Kindern in Berlin, die keine Eltern mehr haben. Das ist alles notwendig, alles tragisch, macht aber, wenn ich zum Beispiel mit dem kleinen Lenny für die Stiftung »Augenblicke« im Rollstuhl herumfahre, wir Quatsch machen und uns über Formel 1 unterhalten, einen riesengroßen Spaß. Die Menschen, die das machen, kenne ich sehr gut, sie kommen aus Enger und aus Herford. Und alles Geld, das gespendet wird, geht sofort an Familien, die es dringend brauchen.
Ist es schwer, immer lustig zu erscheinen und wo hört bei Ihnen der Spaß auf?
Ingolf Lück: Lustig sein ist mein Beruf. Man würde den Tischler ja auch nicht fragen: Ist es immer lustig, Tische und Stühle zu zimmern oder hört der Spaß beim Schrank auf? Alles andere liegt ja in meiner Hand. Ich bin auf der Bühne gar nicht lustig, sondern ein Mann, ein Vater, der leidet. In diesem Leid erkennen sich die Leute selbst und dann lachen sie. Ich mag es nicht, wenn Kollegen auf der Bühne immer über sich selbst mitlachen.
War der kürzlich verstorbene Vicco von Bülow alias Loriot für Sie ein Vorbild?
Ingolf Lück: Er war ein sehr verehrter Kollege wie andere auch. Loriot hat sehr genau und toll gearbeitet. Ich liebte seinen leisen Humor. Es gibt auch junge Comedians wie Carolin Kebekus, die ich mir gerne anschaue und sehr, sehr lustig finde.

Was sagt denn der gebürtige Bielefelder und bekennende Arminen-Fan Ingolf Lück zum Stand der Dinge in Sachen Drittliga-Fußball?
Ingolf Lück: Ich bin froh, dass Sie mich nicht danach fragen. Das fragt mich nämlich zurzeit jeder Journalist selbst aus dem Badener Raum, lacht dann keck, wie Sie es auch gerade getan haben. Aber dass die Verräter schon in der eigenen Region sitzen, das hätte ich nicht gedacht. Ich habe gedacht, endlich könnten wir uns mal gemeinsam ausweinen, an die Schulter fassen und die Tränen trocknen. Und dann stellen Sie so eine provozierende Frage! (lacht).

Aber wo sind die Perspektiven für den DSC?
Ingolf Lück: Immer weitermachen. Da sind wir Bielefelder doch ganz andere Sachen gewohnt. Ich erinnere mich an Zeiten, da gab’s noch gar keine Regionalliga. Ich war letzte Woche in Marburg. Da bin ich nach dem Auftritt mit einem Kumpel etwas essen gegangen. Im Restaurant waren acht junge Leute im Arminia-Outfit. Der Tisch war gedeckt mit Lohmann und Arminia-Fahnen. Das war der Arminia-Fanclub von Marburg. Solange dieser Verein solche Fans hat, ist es nicht zu spät, geht es immer wieder aufwärts. Ich bleibe ein Leben lang Fan. Ich wohne seit 25 Jahren in Köln, meine elfjährige Tochter Lilly ist FC-Fan. Mein Sohn Gustav, inzwischen sechs Jahre, hat schon zur Geburt ein DSC-Trikot mit der Nummer 9 geschenkt bekommen. Für ihn ist Arminia das Synonym für Fußball, für mich ist der DSC aber auch Synonym für Traurigkeit. In den Verein wird man hineingeboren und auch wieder hinausgestorben. Dagegen kann man nichts machen. Damit musst du dich abfinden.

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