Schwäbische Zeitung vom 01.08.2011

Der Kölner Kabarettist begeisterte 800 Besucher mit Verbalgewittern.

HORGENZELL-EINHALDEN (cas) – Braucht Ingolf Lück auf der Bühne wirklich einen Stuhl? Ja! Das zumindest hat Bauer Bernhard Rauch sich im Vorfeld beim Blick auf Lücks Website gedacht und sicherheitshalber am Freitagabend einen auf die Einhaldener Festival-Bühne gestellt. Erst hat sich der aus Köln angereiste Kabarettist noch geziert. Aber dann, nach seinem atemberaubenden Rap – Lück ist 52 Jahre jung – war es soweit. „Ich kann nicht mehr“, keuchte er und ließ sich nieder auf dem harten holzbeinigen Sitzmöbel.
„Lück im Glück“ titelte der erste Teil des Abends und strotzte nur so vor quirliger Wortklauberei, die sich zum Thema Familienleben erging. „Ihr liebt ihn, ihr wollt ihn!“, kündigte ihn die Stimme seiner kleinen Tochter Lilly aus dem Off an und Lück legte katapultartig los. Er überschüttete die knapp 800 Besucher geradezu mit einem Verbalgewitter, das die ach so geliebten Nachkömmlinge zu „kleinen Vollzeit-Terroristen“ machte noch bevor sie schuldfähig seien, das ihn über die ach so dünn gesäten Babysitter jammern ließ, die nie zur Stelle seien, wenn Mama und Papa dann endlich mal ins Kino wollen.
Lück hastete im Zeitalter der Billigflieger vom Kinderbeförderungsunternehmen Marke Eltern zur Frühsterziehungsstufe, bei der die Nabelschnur über den Brotkasten gespannt wird und schnurstracks Vivaldi geübt wird. „Warum erzähle ich das alles?“, geriet er ins Stocken und Nachdenken. Weniger weil, wie er vorgab, endlich Menschen gefunden hat, die ihm zuhören. Nein, Lücks Eskapaden standen auf eigenen Beinen. Seine einem aufgedrehten Turboantrieb gleichende Performance zog die Karten aus dem Ärmel ohne sich an Themen festzubeißen. An Namen für Kinder wie Heinz Günther, Astrid oder Guido und wie es möglich ist, das seinen Lieblingen anzutun. Und was sich seine Eltern bei „Ingolf“ gedacht haben? Wo sie ihn zu dem Zeitpunkt doch noch gar nicht kannten!
Die Zugabe war eine Leseprobe: Wenn Mama und Papa mit den Quälgeistern in die Ferien fahren, dann nimmt man am besten eine befreundete Familie mit, um am Ende trotz ausgeklügeltem Rollenplan allein als der Babysitter da zu stehen.

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