Der Westen| 23.09.2012 | Von Helmut Rauer |
Ingolf Lück war mit „Lück im Glück“ zu Gast im Parktheater.

Iserlohn. Wenn Ingolf Lück auf der Bühne davon erzählt, wie er seinen lieben Kleinen Gute-Nacht-Geschichten vorliest, dann kann man sich fast schon fragen: Spricht er von seinen Kindern oder von seinen Enkeln? Wer hat als Mittfünfziger noch Kinder im Kindergartenalter?

„Mit 50 hast du heute dein erstes Studium beendet und fängst dein zweites an“, lautete die Erklärung von Ingolf Lück am Freitag bei seinem Programm „Lück im Glück“ im nicht ganz vollen Parktheater. Kein Wunder, dass er sich der Komiker gezwungen sah, seine jugendliche „Knackigkeit“ zu beweisen. Mit einer Sport-Einlage, bei der er Breakdance tanzte und mit Liegestützen glänzte, zeigte Lück: Ich gehöre nicht zum alten Eisen. Außerdem stand er die ganze Zeit auf der Bühne, zu stolz, sich zu setzen. Erst zum Schluss zog ihn das einzige Requisit der Soloshow, ein Stuhl, unwiderstehlich an. Der Mittfünfziger kokettierte mit seinem Alter, setzte sich müde , sprang wieder auf und spielte erneut den quirligen Papi.

Schauspielerisch machte er das gut. Wenn er vom Windelwechseln, vom Elternabend oder vom Streit mit der Gattin erzählte, setzte er Mimik und Gestik sowie die (mitunter recht derbe) Sprache ausdrucksstark in wechselnden Lautstärken und Tonfällen ein. Es reihten sich Gag an Gag und Witz an Witz. Von dem heimlichen Wunsch der Eltern, ein Wunderkind zu haben, das schon mit zwei Jahren Geige spielt, bis zum krakeelenden kleinen „Terroristen“, der Mama und Papa den Schlaf und den letzten Nerv raubt, wurden Erfahrungen mit Kindern humorvoll bissig auf die Spitze getrieben. Mal schien Zeitgeist durch, mal blieb’s bei Klischees. Aktuelle (familien-)politische Themen blieben weitgehend außen vor. Dafür zeigte Lück deutlich seine Sehnsucht zurück in seine Party- und „Rock’n’Roll“-Jahre, apostrophierte das „Koma-Saufen mit alten Freunden“ als einzig wahre Alternative zur Vaterrolle . Und da der Zuschauer an einem langen Theaterabend auch etwas Abwechslung braucht, machte der Komiker das, was kaum ein Kabarettist gegenwärtig lassen kann. Er zog die FDP durch den Kakao.

Ingolf Lück weiß, dass man punktet, wenn man den Dialog mit dem Publikum sucht und liebenswürdig über den Auftrittsort lästert. Deshalb fanden die Kneipenbesuche, von denen er schwärmte, im „Iserlohn-Eck“ statt. Es war kein Abend, der unentwegt das Zwerchfell erschütterte, aber es wurde viel geschmunzelt und gelacht. Am Ende dankte das Publikum mit kräftigem Applaus. Die Zugabe aber musste der Künstler fast erbetteln: Er las noch eine lustige kurze Story über einen Urlaub mit zwei Familien vor und gab den Iserlohnern so ein Zusatzschmunzeln mit auf den Heimweg.

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