Frankfurter Neue Presse | 24.10.2012 | Text und Foto von Anken Bohnhorst-Vollmer | Mit seinem aktuellen Programm „Lück im Glück“ gastierte der Comedian Ingolf Lück in der nur spärlich besetzten Stadthalle Mons Tabor. Das Fazit des Abends: Kinder, Kumpels und Karriere unter einen Hut zu bringen, ist zwar nicht möglich, aber der Versuch ist lustig anzusehen.

Auch Ingolf Lück ist in die Jahre gekommen – in die des Familienvaters nämlich, der hin und her stolpert zwischen völliger Überforderung und glühender Begeisterung für das Wunderwerk „Familie“. Das von ihm einst geistreich und spritzig vorangetriebene Politkabarett hat in dieser Lebenslage leider nur noch wenig Raum. Somit gab es „heute keine billigen Witze, nicht mal über die FDP“, sondern die Erkenntnis, dass auch der alle Grenzen durchbrechende Rock ’n’ Roll der Jugend verschwunden ist „an einem Samstagabend in einer Stadt namens Montabaur – schöner kann’s nicht kommen!“ Das fanden die Gäste in der Stadthalle ebenfalls, die sich von Ingolf Lücks zweistündigem Programm begeistern ließen.
Jeder kennt irgendwelche Kinder, und mancher hat sogar eigene, die dann vielleicht Klaus-Kevin heißen und entweder zu „Vollzeitterroristen“ oder zu Wunderkindern heranwachsen, plauderte ein anfangs arg überdreht wirkender Lück in Jeans und flatterndem Oberhemd. Wenn heute ein Kind vom Klettergerüst plumpse, sei es nicht einfach tollpatschig, sondern überprüfe die Gesetze der Schwerkraft und sei den Eltern zufolge prädestiniert für eine Karriere als Atomphysiker, erzählte er. „Und dass unsere Kinder Atomphysiker werden, wollen wir doch alle.“ Zudem sollen die Kleinen stets adrett aussehen und freundlich lächeln wie die Mitglieder der „Rama-Frühstücks-Familie“. Damit das auch im rauen Alltag gelingt, empfahl Ingolf Lück, „eine Turnierpackung Ariel in jede Pfütze zu kippen“, weil dann die Kinder schon sauber seien, wenn sie aus dem Schmutz auftauchen.

Dass insbesondere Väter durch die vielseitigen beruflichen und familiären Anforderungen an den Rand der Besinnungslosigkeit getrieben werden, steht für Ingolf Lück fest. Schließlich könne man das Alter eines Vaters an der Zahl seiner Augenringe ablesen, während Mütter immer frisch und erholt aussehen würden – „oder ist das alles Douglas?“

Als ein Beispiel für den Irrwitz des Elterndaseins beschrieb er einen „Elternabend“: Vier Stunden müsse man hier auf einem winzigen Stühlchen sitzen und Name, Alter und Beruf mitteilen, sobald man ein Wollknäuel zugeworfen bekomme. „Da kann man doch niemanden für voll nehmen!“ Was die Kinder heute brauchen, seien starke Vorbilder und keine verweichlichten Väter. Wer solle dem Nachwuchs zeigen, „wie Rauchen, Saufen und Kiffen“ geht, fragte er. Doch selbst bei dem spontan wirkenden Ingolf Lück haben die Turbulenzen des Erzieher-Daseins Spuren hinterlassen. Denn so souverän er sich durch sein Programm plapperte – klapperndes Geschirr aus der Küche der Stadthalle irritierte den Comedian mehr, als man vermutet hätte. Wahrscheinlich sei es ein „Klabbaschtorsch“ half eine Dame aus dem Publikum weiter und erhielt kräftigen Beifall für diese situationskomische Einlage. Die Frauen sind also doch die Starken im Familienleben. Das ist bei Ingolf Lück nicht anders, der sich mit einer originellen und rührenden Liebeserklärung an seine Frau wandte: Sie sei wie die Lieblingsplatte von Pink Floyd – „über 40, mit Kratzern, und ich kann sie nicht jeden Tag hören. Aber verleihen würde ich sie nicht“.

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